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Unser Ausflug ging diesmal nach Nedlitz, nicht auf fester, sondern auf flüssiger Straße. Corina und Hans-Jürgen hatten richtige Ruderboote organisiert, und so konnten wir alle einmal ordentliche Rollsitze, Riemen und Skull ausprobieren. Wir starteten am Boothaus Seekrug, wo die Rudergesellschaft Potsdam ihren Platz hat.
Wenn man nur die üblichen Kähne kennt, machen allein schon die langen Boote einen großen Eindruck. Um 10:30 h saßen alle in den Booten, etwas misstrauisch ob der schmalen Sitzflächen und der schwankenden Planken und wir legten ab, Kurs havelaufwärts.
So geschickt, wie wir geglaubt hatten, waren wir aber wohl alle nicht. Nach einem Kilometer hatten wir mehr oder weniger gelernt, wie man im Gleichklang rudert, und so hieß es nur noch Schwielen vermeiden, Waden locker halten und dann immer schön gleichmäßig, immer schön gleichmäßig, unter die Lange Brücke, durch die alte Fahrt, unter die Humboldt-Brücke, über den Tiefen See, die Babelsberge auf der einen und Potsdams italienisches Ufer auf der anderen Seite. Hinter der Glienicker Brücke kam ziemlicher Gegenwind auf, der uns Krebse in Wellen bescherte, und einige von uns wurden schon ein wenig müde, aber schließlich kam die Nedlitzer Brücke in Sicht und erneuerte die Kräfte gerade noch rechtzeitig, um vor einem Regenschauer die Rast in der Anglerklause zu erreichen.
Geplant war die Umrundung der Potsdamer Insel, jedoch votierten nach der Pause alle für die kürzere Umkehr. Wir kletterten diesmal ohne Steg etwas umständlicher in die Boote, und nun ging es mit der Erfahrung des Hinwegs und anfänglichem Rückenwind etwas flotter die Havel abwärts. Wunderbare Kaltluftwolken segelten unter dem Himmel und türmten sich immer mal wieder zu bedrohlichen Bergen, aber uns erwischten sie erst, als wir den rettenden Steg glücklich erreicht hatten.
Während des allgemeinen Abtrocknens, Umkleidens und Wundenleckens ging ein Wolkenbruch herab. Er war dennoch von so kurzer Dauer, dass die Boote im Trockenen geborgen und darauf das geplante Grillen bei untergehender Sonne genossen werden konnte. Und wer nun beim Rudern die Zähne zusammengebissen hatte, bemerkte schon den aufkeimenden Stolz auf die ungewöhnliche Leistung, und so ging auch der Abend in allseits fröhlicher Stimmung zu Ende.
Bleibt uns vor allem, Corina und Hans-Jürgen für ihre Mühe mit der Vorbereitung, dem Grillabend und der Nacharbeit zu danken. Sie haben es sich nicht leicht gemacht mit uns Stöhnern. Das nächste Mal bin ich wieder mit im Boot.
Dierck-E. Liebscher |